Eine Betrachtung von Wander- und Heimatfreundin Christina Reißig

Der 175. Geburtstag des Thüringer Wandersmannes und Reiseschriftsteller August Trinius war für Wander- und Heimatfreunde in Waltershausen Anlass zur Würdigung in vielfältiger Art. Mit seiner Familie wohnte er ab 1890 in seinem idyllisch gelegenen Häuschen in der Wassergasse 1, welches er liebevoll poetisch „SiebenLinden“ nannte. Hier verstarb er am 02. April 1919 im Alter von 68 Jahren. August Trinius war Mitglied im Rennsteigverein, im Thüringerwald-Verein und Ehrennachbar (Nachbar = Mitglied) einiger Berggemeinden.
Sein langjähriger Freund und Schriftsteller-Kollege Arthur Richter-Heimbach aus Ruhla (Schultheiß der Kissel-Gemeinde, Archivar der Elgersburger Ritterschaft, Begründer und Gemeindepoet der Scheffelstein-Gemeinde) startete daraufhin den Aufruf zur “Gründung eines Heimatbundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden“ (BBWG). Mit der Sehnsucht nach Frieden und Geselligkeit hatte sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine stattliche Anzahl von Berggemeinden gegründet und den Stamm der Altvorderen gestärkt. Um 1920 gab es thüringenweit fast 60 Berggemeinden. Die Trinius-Gemeinde hatte ihren Sitz im „Waldschlößchen“ bei Erfurt und zählte 1922 gut 20 Nachbarn.

Logo des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden mit der Veste Wachsenburg als Vorort der Gründungsversammlung 1921

Logo des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden mit der Veste Wachsenburg als Vorort der Gründungsversammlung 1921

Mit großer Resonanz fand sein Anliegen reichlich Zuspruch unter den Berggemeinden und die Idee – anlässlich des 70. Geburtstags August Trinius besonders zur ehren und den „Heimatbund“ der BBWG zu gründen – wurde geboren. Schließlich galt er als „Vater des Gedankens der Bundesgründung“. Unter Leitung von Richter-Heimbach wurde die
Trinius-Grabmal-Stiftung ins Leben gerufen. Neben 19 Berggemeinden brachten Zweigvereine des Thüringerwald-Vereins und Ortsgruppen des Rennsteigvereins sowie Freunde und Verehrer die benötigten 6000 Mark ein. Durch diese Stiftung war es möglich, für August Trinius ein würdiges Grabdenkmal auf dem Waltershäuser Friedhof zu errichten, was man noch heute bewundern kann.

Ehrung am Trinius-Grabmal am 31. Juli 2026 in Waltershausen. Foto: Ch.Reißig

Ehrung am Trinius-Grabmal am 31. Juli 2026 in Waltershausen. Foto: Ch.Reißig

Ehre und Verpflichtung für Thüringer Wander- und Heimatfreunde

Mit der Gründung von Wander- und Touristenvereinen sehnte man sich schon vor 1900 die Natur zu erwandern, zu genießen und auch schon um dem Treiben der Stadt zu entfliehen. Die Historien mehrerer Wandervereine sind eng mit den Wanderjahren von August Trinius verknüpft. So gründeten sich z.B. der Rhönklub als einer der ältesten bereits 1876, der Thüringerwald-Verein 1880 und der Rennsteigverein 1896. Von 1884 bis zu seinem Tod schuf Trinius etwa 30 Werke (meist mehrere Bände) über Land und Leute Thüringens, verpackte Geschichte und Erlebtes poetisch in seine Texte, die uns noch heute gute Impulse liefern. Zum Beispiel mit seinem „Thüringer Wanderbuch“ (8 Bände 1886 – 1902) und „Der Rennsteig. Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale“ (1889; 260 Seiten) legte er einen wichtigen Grundstock für den Tourismus des Thüringer Waldes. Darüber hinaus verfasste Trinius weitere Wander-Bücher von der Mark Brandenburg bis hin zu Rhein, Werra und Mosel sowie Erzählungen, Novellen, Gedichte und Geschichten.

Sein „grünes Herz“ lebt auf

Im Trinius-Buch „Frohe Wanderfahrten“ (1910) im Abschnitt Über den Thüringer Wald, Seite 117 können wir nachlesen:

Weil das Thüringer Land so recht im Mittelpunkt Deutschlands liegt, weil die Wasser des Gebirges zu drei deutschen Hauptströmen rinnen, dem Rhein, der Weser und der Elbe, weil es hier klingt und singt, die Musik immer Heimatrechte hier fand, darum hat man das Thüringer Land seit Jahrhunderten als „grünes Herz Deutschlands“ immer wieder gefeiert

Trinius-Bild, mit Tafel an der Mosel / Sammlung Ch. Reißig

Den unsterblichen Ehrentitel für sein heimatverbundenes Schaffen hat ihn das Thüringer Volk mit dem Beinamen „Thüringer Wandersmann“ gegeben. Und so sollte es auch weiterhin sein!

Mit herzlichem Frisch Auf, Gut Runst und Holla-Ho!
Christina Reißig

28 Jahre im Landesvorstand des Thüringer Wanderverbandes; über 25 Jahre Mitglied im Hauptvorstand des Thüringerwald-Vereins 1880 e.V.; Mitglied im Rennsteigverein 1896 e.V.; 25 Jahre Nachbarin des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden und Herausgeberin der Heimatzeitschrift „Hörselberg-Bote“ von 1990 bis 2021

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